Schwangerschaftsdiabetes

Was ist Schwangerschaftsdiabetes?

Ein Schwangerschaftsdiabetes ist eine besondere Form der Zuckerkrankheit, die während der Schwangerschaft (Gestation) entsteht. Nach der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird der Schwangerschaftsdiabetes auch als Typ-4 Diabetes bezeichnet.

In den meisten Fällen verschwindet die Erkrankung nach der Entbindung wieder. In zirka vier Prozent der Fälle bleibt der Diabetes jedoch weiter bestehen. Grundsätzlich besteht bei allen Frauen, die von einem Schwangerschaftsdiabetes betroffen waren, ein höheres Risiko, später an Diabetes zu erkranken.

Etwa fünf Prozent aller schwangeren Frauen entwickeln im Laufe ihrer Schwangerschaft einen Diabetes.
 
 

Symptome

Leider bereitet der Diabetes den betroffenen Schwangeren kaum Probleme, so dass er häufig nicht erkannt wird. Beschwerden wie verstärkter Durst und häufigeres Wasserlassen sowie Unwohlsein und ein schlechter Allgemeinzustand treten eher selten auf. In den meisten Fällen wird der Schwangerschaftsdiabetes erst erkannt, wenn die Untersuchungen im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge beim Kind ein übermäßiges Wachstum ergeben.
 
 

Ursachen

Unser Organismus benötigt ständig Energie. Wir führen sie ihm durch unsere tägliche Nahrung zu. Magen und Darm teilen sie in kleine Einzelbausteine. Zuckerstoffe und Kohlenhydrate wie sie in Obst, Brot, Kartoffeln, Nudeln, Milch und anderen Lebensmitteln vorhanden sind, werden in Traubenzucker (Glukose) umgewandelt. Über die Darmwand gelangt er ins Blut und wird von dort zu den Organen und Körperzellen transportiert. Damit er jedoch in die Köperzellen eindringen kann, braucht er Insulin. Wie ein „Schlüssel“ öffnet es ihm die jeweilige Zelle. Außerdem sorgt Insulin dafür, dass nicht benötigter Traubenzucker in Muskeln und Leber gespeichert beziehungsweise in Fett umgewandelt werden kann.

Produziert wird das lebenswichtige Hormon Insulin von den B-Zellen der Bauchspeicheldrüse. Bei Menschen, die unter Diabetes mellitus leiden, ist die Versorgung des Körpers mit Insulin gestört.

Durch den Einfluss der Schwangerschaftshormone verändert sich der Stoffwechsel der werdenden Mutter. Der Bedarf an Insulin erhöht sich. Kann die Bauchspeicheldrüse der steigenden Nachfrage nicht genügen, kommt es zum Schwangerschaftsdiabetes.
 
 

Wann ist ein Arzt aufzusuchen ?

Jede Schwangere sollte keine der im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge stattfindenden Untersuchungen versäumen. Werden bei ihr bestimmte Risikofaktoren für einen Schwangerschaftsdiabetes entdeckt, empfiehlt es sich, einen Glukosetoleranztest zu machen.
 
 

Diagnose

Der Nachweis von Zucker im Urin mit Hilfe eines Teststreifens und die Bestimmung des Nüchternblutzuckers können Hinweise geben. Allerdings ist der Erfolg dieser Testmethoden gering. Ein Schwangerschaftsdiabetes bleibt in vielen Fällen unerkannt. Erste zuverlässige Hinweise liefert ein einfacher Suchtest (Screening). Nachdem die Schwangere 50 Gramm Glukoselösung zu sich genommen hat, bestimmt der Arzt den Blutzuckerwert. Ist der höher als 140 mg/dl, deutet dies auf einen Schwangerschaftsdiabetes. Ein so genannter Glukosetoleranztest erhärtet die Diagnose. Zunächst wird hierfür nüchtern der Blutzuckerwert bestimmt. Dann muss die Patientin 75 Gramm Glukose zu sich nehmen. Nun wird nach einer und dann nach zwei Stunden jeweils der Blutzuckerwert bestimmt.
 
 

Behandlung

Ein rechtzeitig erkannter Schwangerschaftsdiabetes lässt sich gut behandeln. Hierzu zählt vor allem die umgehende Umstellung der Ernährung. Die Formel lautet: wenig Fett und viele komplexe Kohlenhydrate wie Kartoffeln, Reis und Pasta. Statt dreier Hauptmahlzeiten, nimmt die Patientin über den Tag verteilt sechs bis sieben kleine Mahlzeiten zu sich. Schwangere, die sich konsequent an solche Essenspläne halten, brauchen in den meisten Fällen keine Insulintherapie. Sie ist nur in zirka 20 bis 30 Prozent der Fälle notwendig.

Antidiabetika hingegen können das ungeborene Kind schädigen und dürfen daher in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden.
 
 

Komplikationen

Es können weitere schwangerschaftsbedingte Komplikationen auftreten. Hierzu zählen Bluthochdruck und Krampfanfälle. Zudem treten häufiger Infektionen der Harnwege auf. Wird der Schwangerschaftsdiabetes zu spät erkannt, liegt die Kindsgröße unter Umständen so weit über der Norm, dass eine normale Geburt unmöglich und ein Kaiserschnitt nötig wird.

Beim Kind kann es infolge eines unerkannten Schwangerschaftsdiabetes zu Fehlentwicklungen der Lungen und damit verbundenen Atemproblemen nach der Geburt kommen. Da das Ungeborene während der Schwangerschaft mehr Insulin produziert hat, um den Insulinmangel der Mutter auszugleichen, läuft es nach der Entbindung Gefahr, zu unterzuckern, denn der Nachschub an mütterlicher Glucose bleibt plötzlich aus und die Insulinproduktion kann nicht so schnell heruntergefahren werden.

Am gefährlichsten ist jedoch eine Fehlentwicklung der Plazenta, die zwar selten auftritt, die aber eine Mangelentwicklung des Ungeborenen und möglicherweise seinen Tod zur Folge hat.
 
 

Prävention

Bestimmte Risikofaktoren steigern die Möglichkeit, einen Schwangerschaftsdiabetes zu entwickeln. Hierzu zählen:

- Übergewicht
- Bluthochdruck
- Typ-2 Diabetes in der Familie
- Zucker im Urin

Auch wenn bei einer vorangegangenen Geburt das Kind schwerer als 4.000 Gramm war, die Schwangere bei einer vorherigen Schwangerschaft bereits an einem Schwangerschaftsdiabetes gelitten hat, oder wenn sie älter als 35 Jahre ist, steigt die Wahrscheinlichkeit. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, dass der Gynäkologe gezielt dem Vorliegen eines Schwangerschaftsdiabetes nachspürt.
 
 

Was kann ich selbst tun ?

Wenn bei Ihnen ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt wird, sollten Sie sich unbedingt an die Diätvorschriften halten, die Ihnen Ihr Arzt vorgibt. Lassen Sie sich ganz genau erklären, was Sie warum beachten müssen, fragen Sie solange nach, bis Sie alles verstanden haben. Es hat sich zudem als hilfreich erwiesen, wenn die betroffene Schwangere ihren Blutzuckerspiegel selbst messen kann.

Auch nach der Schwangerschaft besteht bei den betroffenen Frauen ein erhöhtes Diabetesrisiko. Aus diesem Grund ist ein Zuckerbelastungstest pro Jahr anzuraten. Wenn Sie sich außerdem gesund ernähren, Übergewicht vermeiden und regelmäßig Sport treiben, reduzieren Sie das Risiko, später an Diabetes zu erkranken.