Schuppenflechte

Was ist Schuppenflechte (Psoriasis)?

Bei der gewöhnlichen Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris) handelt es sich um eine gutartige Hauterkrankung, die in allen Altersschichten sowohl Frauen als auch Männer gleichermaßen betrifft. In Deutschland leiden etwa zwei Millionen Menschen unter dieser mehr oder weniger ausgeprägten, nicht ansteckenden Krankheit.

Typisch sind scharf begrenzte, rote, teils juckende, erhabene, mit silberweißen Schuppen bedeckte Inseln. Sie bilden sich überwiegend an Ellenbogen, Knien, am Kreuzbein sowie am behaarten Kopf. Die Erkrankung tritt überwiegend im zweiten Lebensjahrzehnt auf, besonders häufig nach Infekten und äußeren Traumata. Typisch ist ebenfalls eine familiäre Häufung. Allerdings kann sich eine Schuppenflechte auch ohne, dass eine familiäre Belastung bekannt ist, nach dem 50. Lebensjahr ausbilden.

Eine häufige Form der Schuppenflechte ist die Psoriasis guttata. Sie ist oft Folge einer Infektion und durch zahlreiche kleine, häufig juckende Flecken gekennzeichnet. Unbehandelt kann sie sich zu einer chronischen Form der Schuppenflechte entwickeln.

Eine Sonderform der Hauterkrankung, die nur selten in Erscheinung tritt, ist die Psoriasis pustulosa. Sie bildet sich vornehmlich an Händen und Füßen, kann allerdings auch den ganzen Körper betreffen. Kennzeichnend sind Eiterbläschen auf geröteter Haut.

Bei der Psoriasis-Arthritis ist der Bewegungsapparat, hier am häufigsten die Finger- und Zehengelenke, betroffen. Diese rheumatische Form der entzündlichen Erkrankung, die sich langfristig bei rund zehn Prozent der Psoriasis-Patienten entwickelt, kann auch ohne begleitende Hautsymptomatik auftreten.

Insgesamt hat die Schuppenflechte als chronische Erkrankung oft erhebliche Folgen für die Gesundheit, Lebensqualität und Beruf.
 
 

Symptome

Die Haut weist Areale mit scharf abgegrenzten, mit weiß-silbernen Schuppen überzogenen Inseln auf, die teilweise stark jucken, rot und erhaben sind. Sie sind je nach Form klein und punktförmig, können aber auch größere Flächen bedecken. Während die oberflächlichen Schuppen leicht durch Kratzen zu entfernen sind, entstehen durch die tiefer und fester sitzende Schicht kleine punktförmige Hautblutungen.

Am häufigsten siedelt sich die Schuppenflechte an Ellenbogen, Kniegelenken, am unteren Rücken in der Kreuzbeingegend und auf der Kopfhaut an. Schleimhäute und Nägel können ebenfalls betroffen sein. An den Nägeln macht sich die Psoriasis durch stecknadelkopfgroße Einsenkungen der Nagelplatte (so genannte Tüpfelnägel) oder umschriebene gelb-braune Verfärbungen des Nagelbettes (so genannte Ölnägel) bemerkbar.

In leichten Fällen bleibt die Psoriasis vulgaris oft unerkannt, während in schweren Fällen bis zu 80 Prozent der Körperoberfläche von den schuppenden Herden bedeckt sein können. Patienten, die an der Psoriasis pustulosa erkrankt sind, können häufig nur unter Schmerzen laufen und kaum ihre Hände gebrauchen. In der Mehrzahl sind Frauen von dieser Form betroffen. Breitet sich diese Art der Schuppenflechte auf den ganzen Körper aus, spricht man von der Psoriasis pustulosa generalisata. Diese Erkrankung geht meist mit Fieber, Abgeschlagenheit und einem schweren Krankheitsgefühl einher. Im schlimmsten Fall wird die Hautfunktion schwer geschädigt.

Die Psoriasis-Arthritis ist gekennzeichnet durch schmerzhafte Schwellungen und Bewegungseinschränkungen der betroffenen Gelenke, meist Zehen- oder Fingergelenke. Rund ein Viertel der Patienten, in der Mehrzahl Frauen, klagen über Beschwerden in den größeren Gelenken, angefangen beim Schlüsselbein bis zum Sprunggelenk. Bei Männern ist häufiger das so genannte Achsenskelett, das heißt Wirbelsäule und Kreuzbein-Darmbein-Gelenke, betroffen.
 
 

Ursachen

Die genaue Ursache der Schuppenflechte ist unbekannt. Eine Wahrscheinlichkeit, die Krankheit ererbt zu haben, ist nicht auszuschließen. Aber auch Lebensumstände wie Stress, Alkohol und Medikamente, Infektionen und Hautschäden können den Ausbruch der Krankheit begünstigen oder das Risiko von Schüben erhöhen. Als weitere Risikofaktoren gelten Rauchen, Übergewicht, Stoffwechselstörungen sowie hormonelle Faktoren. Wissenschaftlich nicht erwiesen ist, inwieweit die Ernährung Auswirkungen auf Ausbruch oder Verschlechterung der Erkrankung hat.

Auslöser der eigentlichen Symptomatik ist eine Autoimmunreaktion des Körpers gegen Zellen der Oberhaut. Diese so genannten Keratinozyten reagieren auf diesen Prozess mit einer extrem gesteigerten Teilungsaktivität, mit der Folge, dass die normalerweise mehr als vier Wochen dauernde natürliche Degeneration zur Hornlamelle in weniger als fünf Tagen stattfindet.

Infektionen, insbesondere Streptokokkeninfektionen wie eitrige Angina oder Mittelohrentzündung, sind vermutlich weitere Auslöser eines Psoriasisschubes. Wissenschaftler vermuten, dass das Immunsystem die Keratinozyten der Oberhaut mit den Streptokokken „verwechselt“, da diese eine ähnliche Oberflächenstruktur haben. Genau ist der Mechanismus indes noch nicht geklärt, ebenso wenig, die Rolle, die andere Haut- und Allgemeininfektionen durch Bakterien, Viren und Pilze möglicherweise spielen.
 
 

Wann ist ein Arzt aufzusuchen?

Bei allen Befindlichkeiten der Haut, wie Spannungsgefühl, Rötungen, Bläschen- und Schuppenbildung sowie Juckreiz, sollte sofort ein Hautarzt aufgesucht werden.

Bei Verdacht einer Psoriasis-Arthritis sollte immer ein Rheumatologe hinzugezogen werden.
 
 

Diagnose

Im Frühstadium der Krankheit gibt es in der Diagnostik gelegentlich Abgrenzungsprobleme mit anderen Hauterkrankungen wie Mykosen (Hautpilzerkrankungen), Ekzemen oder Flechten.

In der Diagnose charakteristisch zeigen sich aber das „Kerzenfleckphänomen“, das Phänomen des letzten Häutchens“ und der „blutige Tau“: Ähnlich wie bei einem Kerzenwachsfleck erhellt sich die aufgekratzte Schuppenschicht an der Kratzlinie. Bei weiterem Kratzen erscheint ein glänzendes „letztes Häutchen“. Punktförmige Blutungen, „blutiger Tau“, entstehen, wenn noch weiter gekratzt wird.

Bei noch bestehendem Zweifel an der Diagnose kann eine Hautprobe (Biopsie) entnommen und im Labor histologisch (feingeweblich) untersucht werden.

Bei Verdacht auf eine Psoriasis-Arthritis, die manchmal nur schwer von anderen akuten oder chronischen Erkrankungen abzugrenzen ist, helfen einige klinische Merkmale bei der Abgrenzung zur rheumatoiden Arthritis. Unter anderem sind die Rheumafaktoren im Bluttest negativ. Bei der Laboruntersuchung kann die Erkrankung außerdem für gewöhnlich mit den so genannten HLA-Markern (Human Leucocyt Antigen) nachgewiesen werden. Szintigraphische und radiologische Verfahren ergänzen die Diagnostik.
 
 

Behandlung

Grundsätzlich wird eine Behandlung der Schuppenflechte auf Alter des Patienten, seinen Gesundheitszustand und seine Lebensgewohnheiten abgestimmt. In jedem Fall spielt jedoch eine richtige Hautpflege eine große Rolle. Fettsalben, rückfettende Öle als Badezusatz und fette Cremes, die die Schutzfunktion der Haut unterstützen, sind unumgänglich. Harnstoff, Glycerin und Kortisonsalben sind je nach Beschwerdebild einzusetzen.

Im klinischen Bereich wird die Schuppenflechte mit speziellen UV-Bestrahlungen therapiert. Bei schweren Krankheitsverläufen kommen Immunsuppressiva zum Einsatz.

Darüber hinaus kann sich Saunabaden unter Ausschluss anderer Erkrankungen (z. B. Herz-Kreislaufbefindlichkeiten) günstig auf das Allgemeinbefinden auswirken.
 
 

Komplikationen

Alle Formen der Psoriasis stellen nicht nur ein kosmetisches, sondern ein psychologisches Problem dar. Gesellschaftliche Ausgrenzung, dem Ideal von Gesundheit und Schönheit nicht mehr zu entsprechen, lässt viele Patienten in Depressionen verfallen, zumal die Erkrankung chronisch verläuft und ihren Träger lebenslang begleitet. In Extremfällen – wie bei der Psoriasis pustulosa generalisata – kann sie lebensbedrohlich sein.

Bei der Psoriasis–Arthritis können Bewegungseinschränkungen und schmerzhafte Schwellungen berufliche und soziale Konsequenzen mit sich bringen.
 
 

Prävention

Es gibt bei der Psoriasis keine Prophylaxe. Genetisch vorbelastete Menschen sollten jedoch Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht und übermäßigen Alkoholkonsum verstärkt meiden.
 
 

Was kann ich selbst tun?

In erster Linie ist auf eine konsequente Hautpflege zu achten, auch dann, wenn das Beschwerdebild der Psoriasis abgeschwächt oder ganz verschwunden ist. Zu vermeiden sind lange Bäder oder sehr heißes Wasser, da sie die Haut zusätzlich austrocknen. Betroffene sollten außerdem darauf achten, dass sie die Haut nach dem Waschen nur vorsichtig trocken tupfen. Starkes Rubbeln mit dem Handtuch provoziert neue Herde.

Bezüglich der Ernährung können Empfehlungen kaum ausgesprochen werden, da die Reaktion auf Nahrungsmittel individuell sehr verschieden ist. Empfehlenswert ist jedoch der Verzehr von fettem Seefisch. Er enthält Omega-3-Fettsäuren, die erwiesenermaßen einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben.

Versuchen Sie außerdem, sich zu entspannen oder besuchen Sie Selbstsicherheitstrainings. Sprechen Sie mit anderen Menschen über Ihre Krankheit, ganz besonders darüber, dass Sie nicht ansteckend ist. Das Abkapseln mit der damit häufig einhergehenden Entwicklung von Depressionen wirkt sich nicht nur negativ auf den individuellen Umgang mit der Erkrankung, sondern auch ungünstig auf den Krankheitsverlauf aus.