Zysten in den Eierstöcken

Was sind Eierstockzysten (Ovarialzysten)?

Zysten sind im Gewebe befindliche Hohlräume, die mit Flüssigkeit gefüllt sind. Eierstockzysten liegen, wie der Name schon sagt, im Bereich der Eierstöcke (Ovarien). Sie werden manchmal auch als Ovarialtumor bezeichnet, denn Tumor bedeutet nichts anders als Schwellung und das trifft natürlich auch auf eine Zyste zu. Ein Tumor ist also nicht mit Krebs gleichzusetzen. „Zyste“ wie „Tumor“ sind eher beschreibende Wörter und sagen nichts über die Behandlungsbedürftigkeit der jeweiligen Erscheinung aus.
 
 

Symptome

Meistens ist die Eierstockzyste ein Zufallsbefund. Das bedeutet: Sie wird, ohne dass irgendwelche Beschwerden vorlagen, bei einer Routinekontrolle vom Gynäkologen entdeckt. Haben Zysten jedoch eine gewisse Größe erreicht, können sie durchaus Beschwerden bereiten, denn sie drücken dann unter Umständen auf die Nachbarorgane.

Zu den Beschwerden zählen zum Beispiel
  • Unterleibsschmerzen,
  • Rückenschmerzen,
  • Schmerzen beim Stuhlgang,
  • sowie Verstopfung.
Ebenfalls Anzeichen für eine Eierstockzyste können irreguläre Blutungen nach den Wechseljahren, schmerzhafte Regelblutungen und sogar eine Zunahme des Bauchumfangs sein. Allerdings hängt dies alles von der Art der jeweiligen Zyste ab.

Starke, kollikartige Schmerzen sind dafür in vielen Fällen ein Hinweis auf Komplikationen.
 
 

Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung von Eierstockzysten sind ganz unterschiedlich – je nachdem, um welche „Zystenart“ es sich handelt.

Eierstockzysten werden in zwei Gruppen unterteilt: die so genannten funktionellen Zysten und die Retentionszysten. Retentionszysten entstehen durch Sekretverhalten von Drüsen. Das heißt, dass das Sekret, was eine Drüse bildet, nicht – wie vorgesehen – abgegeben werden kann. Es bleibt in der Drüse, die dann natürlich größer wird. In die Gruppe der Retentionszysten gehören zum Beispiel die Dermoidzysten. Sie stammen eigentlich von den Keimzellen ab und können Talg, Haare, Knorpel-, Knochengewebe und sogar Zähne enthalten. Allerdings sind Retentionszysten eher selten.

Weitaus häufiger haben wir es mit den funktionellen Zysten zu tun. Sie entstehen im Zusammenhang mit den Veränderungen am Eierstock im Rahmen des weiblichen Zyklus. Die körpereigenen Hormone spielen bei diesen Vorgängen eine entscheidende Rolle. Daher überrascht es nicht, dass funktionelle Zysten in der Regel bei geschlechtsreifen Frauen auftreten – und zwar besonders gern in der Pubertät und in den Wechseljahren, also in Zeiten, in denen das hormonelle Gleichgewicht im Umstellen begriffen ist. Aber auch eine Hormontherapie kann die Zystenbildung fördern.

Eine der häufigsten funktionellen Zyste ist die Follikelzyste. Sie wird bis zu 15 Zentimeter groß, erreicht aber in der Regel nur zwei bis drei Zentimeter. Sie entsteht aus einem Graaf-Follikel, in dem in der ersten Zyklushälfte die Eizelle heranreift. Läuft alles nach Plan, zerplatzt der Graf-Follikel und setzt die reife Eizelle in den Eileiter frei. Aber manchmal unterbleibt dies und im Inneren des Graf-Follikels sammelt sich weiter Flüssigkeit an. Das Ergebnis: eine Follikelzyste.

Auch der Gelbkörper kann sich zystisch vergrößern. Der Gelbkörper – von Fachleuten Corpus-luteum genannt – bildet sich nach dem Eisprung aus den Resten des Graaf-Follikels. Er ist in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft für die Produktion von Östrogen und Progesteron zuständig. Wird keine Eizelle befruchtet, muss der Gelbkörper eigentlich zu Grunde gehen. Aber genau das geschieht manchmal nicht und stattdessen kommt es zu Einblutungen. So entsteht die so genannte Corpus-luteum-Zyste.

Luteinzysten dagegen verdanken ihre Existenz der erhöhten Produktion von HCG (humanes Choriongonadotropin), ein Hormon, das in den ersten Schwangerschaftsmonaten vom Mutterkuchen gebildet wird. Manchmal jedoch können bestimmte Erkrankungen eine erhöhte HCG-Produktion hervorrufen. Auch die Gabe von HCG als Therapie gegen Unfruchtbarkeit kann die Bildung von Luteinzysten fördern.

Hinzu kommen eigenständige Krankheitsbilder, die Zystenbildung fördern. Hierzu zählt etwa die Endometriose, bei der die Gebärmutterschleimhaut, das Endometrium, außerhalb der Gebärmutterhöhle wuchert – zum Beispiel auch im Bereich von Eierstöcken und Eileitern. Wie die normale Gebärmutterschleimhaut nimmt sie aber weiterhin am Menstruationszyklus teil. Da jedoch die monatliche Blutung nicht abfließen kann, bilden sich in den Eileitern Zysten, die auf Grund der Farbe der enthaltenen Blutabbauprodukte Schokoladenzysten genannt werden.

Eine andere Erkrankung, die die Bildung von Zysten begünstigt, ist das Polyzystische-Ovarien-Syndrom, kurz PCOS. PCOS bedingt einen erhöhten Androgenspiegel. Androgene sind männliche Geschlechtshormone. Haben Frauen zu viel davon, gerät ihr gesamter Zyklus durcheinander und das führt unter anderem auch zu einer vermehrten Zystenbildung. Es handelt sich hierbei um funktionelle Zysten, die jedoch auf Grund der Ursache ihrer Entstehung nicht mit den bereits genannten funktionellen Zysten verwechselt werden dürfen.
 
 

Wann ist ein Arzt aufzusuchen?

Die meisten Zysten sind so klein, dass sie keine Beschwerden bereiten. Der Gynäkologe entdeckt sie oftmals bei einer Routineuntersuchung. Man spricht in diesem Fall von einem Zufallsbefund.

Wenn eine Zyste Probleme verursacht, ist sie also in der Regel schon größer oder es deuten sich bereits Komplikationen an. Daher ist es dringend anzuraten, umgehend einen Arzt aufzusuchen, wenn sich bei Ihnen unklare Beschwerden im Bauchbereich einstellen.
 
 

Diagnose

Eine große Eierstockzyste erkennt der Gynäkologe bei der vaginalen Tastuntersuchung im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung. Kleinere Zysten machen sich bei einer Ultraschalluntersuchung durch die Bauchdecke (Abdominalsonographie) oder die Scheide (Vaginalsonographie) bemerkbar.

Die Befragung der Patientinnen nach Beschwerden, Alter, Krankenvorgeschichte und so weiter gibt zusammen mit dem Tastbefund und dem Aussehen der Zyste im Ultraschallbild Aufschluss darüber, um welchen Zystentyp es sich handeln könnte. So deuten Blutungsstörungen und Schmerzen, die im Rahmen des Zyklus auftreten, auf eine funktionelle Zyste hin.

Klagt die Patientin über Beschwerden wie starke Schmerzen während der Regel, die eine Endometriose vermuten lassen und spricht der Ultraschallbefund für das Vorliegen einer Endometriosezyste am Eierstock, empfiehlt es sich, die Diagnose mit Hilfe einer Bauchspiegelung zu bestätigen. Hierbei wird eine Gewebeprobe entnommen und untersucht, um endgültig Klarheit zu gewinnen.

Gibt es Hinweise auf eine Dermoidzyste, so muss sie operativ entfernt und anschließend analysiert werden, denn nur die Untersuchung des verdächtigen Gewebes erlaubt eine sichere Aussage.

Vor allem bei Patientinnen ab 40 und jenseits der Menopause bedürfen sichtbare zystische Veränderungen ohnehin der genauen Abklärung, denn es könnte sich auch um einen bösartigen Tumor handeln. In unklaren Fällen ist daher eine Operation angezeigt, bei der das verdächtige Gewebe entnommen und auf entartete Zellen geprüft wird. Bei Krebsverdacht können weitere Untersuchungsmethoden eingesetzt werden. Hierzu zählt die Bestimmung der so genannten Tumormarker, das sind Substanzen, die bei bestimmten Krebserkrankungen erstmals oder in größeren Mengen im Blut oder anderen Körperflüssigkeiten nachweisbar sind. Hinzu kommen radiologische Verfahren wie die Farbdoppleruntersuchung und die Magnetresonanztomographie. Die Farbdoppleruntersuchung ist eine besonders aussagekräftige Ultraschalluntersuchung. Die Magnetresonanztomographie erstellt Schnittbilder wie die Computertomographie, setzt dabei allerdings keine Röntgenstrahlen ein. Der Körper wird einem Magnetfeld ausgesetzt und man prüft, wie sich das Körpergewebe in diesem Magnetfeld verhält.
 
 

Behandlung

Die meisten funktionellen Zysten bilden sich von ganz allein zurück. Daher gilt folgende Faustregel: Bemerkt der Gynäkologe bei der Ultraschalluntersuchung eine typische funktionelle Zyste, dann wartet er zunächst bis zur nächsten Regel. Danach führt er eine erneute Kontrolle per Ultraschall durch. Ist die Zyste immer noch da, wird er eine Hormonbehandlung über drei Monate verordnen. Hierzu muss die Patientin in der zweiten Zyklushälfte Gestagene oder eine gestagenbetonte Pille einnehmen. Gestagene sind synthetische Hormone, die ähnliche Eigenschaften wie das Gelbkörperhormon Progesteron haben. Tritt immer noch keine Besserung ein, leidet die Patientin unter Beschwerden oder haben sich Komplikationen eingestellt, muss die Zyste operativ entfernt werden – und zwar im Rahmen einer Bauchspiegelung.

Immer per Operation behandelt werden Dermoidzysten und große Endometriosezysten, die Beschwerden bereiten. Liegt bei einer Patientin eine ausgedehnte Endometriose vor, kann eventuell eine Hormonbehandlung hinzukommen. Hormone sind auch bei der Therapie von polyzystischen Ovarien im Rahmen des Polyzystischen-Ovarien-Syndroms angezeigt. Manchmal wird auch eine operative Teilentfernung vorgenommen.
 
 

Komplikationen

Glücklicherweise kommt es bei Eierstockzysten selten zu Komplikationen. Nur bei drei Prozent der Patientinnen platzen die Zysten. Meist geschieht dies spontan ohne äußeren Grund. Manchmal kann aber auch die gynäkologische Untersuchung dazu führen. Der Vorgang an sich ist in der Regel harmlos, geht allerdings mit unangenehmen Schmerzen einher. In ganz seltenen Fällen kann es jedoch durch das Zerreißen von Gefäßen zu Blutungen im Bauchraum kommen, die operativ gestillt werden müssen.

Ebenfalls selten, aber weitaus gefährlicher ist die so genannte Stiehldrehung. Größere Zysten sind manchmal über einen Gefäßstil mit dem Eierstock verbunden. Eine ruckartige Bewegung führt dazu, dass die  Blutversorgung gedrosselt wird. Die Eierstöcke sind nur noch mangelhaft versorgt. Hält dieser Zustand zu lange an, können sie absterben, so dass ihre operative Entfernung unumgänglich ist. Die Stiehldrehung muss daher umgehend behandelt werden und gilt als lebensbedrohlicher Zustand. Da sie den betroffenen Frauen heftigste Schmerzen beschert, begeben sie sich in der Regel jedoch schnell in ärztliche Behandlung.
 
 

Prävention

Funktionelle Eierstockzysten bilden sich im Zusammenhang mit den körpereigenen Geschlechtshormonen oder auch nach einer Hormontherapie. Daher könnte man – theoretische gesehen – mit der Einnahme entsprechender Hormone vorbeugen. Doch angesichts der hohen Rate spontaner Rückbildungen von Eierstockzysten – polyzystischen Ovarien sind hiervon allerdings ausgenommen – ist eine solche Maßnahme nicht vertretbar. Durchaus angenehm ist dagegen eine „Nebenwirkung“ der „Pille“. Die in ihr enthaltenen Hormone senken das Risiko, Eierstockzysten zu entwickeln.

Bei Zysten im Rahmen einer Endometriose ist die Gabe von Hormonen sowohl Therapie als auch Vorbeugung und daher sinnvoll.

Schutzmaßnahmen gegen Dermoidzysten gibt es indessen leider nicht, da es sich um eine angeborene Fehlbildung handelt.

 
 

Was kann ich selbst tun?

Sie sollten regelmäßig die Vorsorgeuntersuchungen bei Ihrem Gynäkologen wahrnehmen. Er kontrolliert, ob bei Ihnen wirklich alles in Ordnung ist und kann dann rechtzeitig die erforderliche Therapie einleiten, ehe sich zum Beispiel Komplikationen einstellen.